Ausgabe April 2010

Halbierte Moderne ?

In der März-Ausgabe der „Blätter“ dokumentierten wir den Gründungsaufruf des „Instituts solidarische Moderne“. Wo aber liegen dessen Stärken und Schwächen – und seine blinden Flecken?

Ende Januar traten die Initiatoren des „Instituts Solidarische Moderne“ mit einem Gründungsaufruf an die Öffentlichkeit.[1] Das Bündnis besteht neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Publizistinnen und Publizisten vor allem aus Politikerinnen und Politikern der SPD, der Grünen und der Linkspartei. Es handelt sich um den ersten öffentlich vollzogenen Brückenschlag zwischen den derzeitigen Oppositionsparteien im Bundestag. Schon deshalb verdient die Initiative Aufmerksamkeit und Unterstützung. Eine Alternative zur marktorthodoxen Umverteilung und Zerstörung hat in absehbarer Zeit, jedenfalls auf Bundesebene, nur im Zusammenwirken dieser Parteien eine Chance. Andere rechnerisch mögliche Mehrheiten, wie sie sich derzeit in einigen Bundesländern gefunden haben, mögen für einzelne Projekte, wie etwa die Schulpolitik, ihren Reiz haben und deshalb die Phantasie beflügeln; doch die Grundausrichtung neoliberalen Umbaus bleibt davon unberührt. Umso wichtiger ist die nunmehr geschlossene Allianz.

Der Aufruf lädt zur Mitgestaltung ein. Ob dies gelingt, hängt nicht zuletzt von seinem Inhalt ab. Hier kommen Zweifel auf.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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