Ausgabe Mai 2010

Sozialdemokratie der Angst

Was lebt und was ist tot an der sozialen Demokratie?

Die Amerikaner hätten es gerne besser. Umfragen der letzten Jahre zufolge wünscht jedermann seinem Kind, dass es von Geburt an bessere Lebensbedingungen vorfindet. Man würde es vorziehen, wenn Frau oder Tochter bei einer Geburt die gleichen Überlebenschancen hätte wie die Frauen in anderen fortgeschrittenen Ländern. Eine umfassende und weniger kostspielige medizinische Versorgung würden die Amerikaner ebenso begrüßen wie eine längere Lebenserwartung, besser funktionierende öffentliche Dienstleistungen und weniger Kriminalität.

Wenn man ihnen jedoch sagt, dass es all dies in Österreich, Skandinavien oder den Niederlanden gibt, aber verbunden mit höheren Steuern und einem „interventionistischen” Staat, antworten die gleichen Amerikaner oft: „Aber das ist ja Sozialismus! Wir möchten nicht, dass der Staat sich in unsere Angelegenheiten einmischt. Und vor allem wollen wir keine höheren Steuern.“

Diese seltsame kognitive Dissonanz hat eine lange Geschichte. Vor 100 Jahren stellte der deutsche Soziologe Werner Sombart die berühmte Frage: Warum gibt es in den Vereinigten Staaten keinen Sozialismus? Darauf gibt es viele Antworten. Manche haben mit der schieren Größe des Landes zu tun: Gemeinschaftliche Ziele und Zwecke lassen sich in einem imperialen Maßstab nur schwer verwirklichen und durchhalten.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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