Ausgabe Mai 2010

Triade der Trippelschritte

Als „nuklearen Monat“ bezeichnet bereits manch einer in Washington den April 2010.[1] Völlig falsch ist die Bezeichnung nicht. Denn nach dem langen Kampf um die Gesundheitsreform stand für US-Präsident Barack Obama die erste Hälfte des Aprils ganz im Zeichen des Atoms.

Unmittelbar nach Ostern legte der US-Präsident seine lange erwartete „Nuclear Posture Review 2010“ (NPR) vor,[2] die Blaupause seiner Nuklearpolitik für die kommenden Jahre. Nur zwei Tage später unterzeichnete er zusammen mit seinem russischen Kollegen Dmitrij Medwedjew das „Neue START-Abkommen“, in dem die beiden großen Nuklearmächte neue Obergrenzen für ihre Bestände an strategisch-nuklearen Waffen festlegten. Und gleich danach folgte der dritte Höhepunkt: Auf Einladung Obamas wurde in Washington ein „Nuklearer Sicherheitsgipfel“ abgehalten, an dem 47 Staats- und Regierungschefs teilnahmen und sich zu verbesserten Sicherheitsmaßnahmen für hochangereichertes Uran und abgetrenntes Plutonium verpflichteten.

Doch um es vorwegzunehmen: Das Ergebnis des „nuklearen Monats“ ist lediglich eine Triade der Trippelschritte auf dem Weg zu Obamas großer Vision – der Welt ohne Atomwaffen.

Dabei kam die Häufung von Großereignissen zur Nuklearpolitik keineswegs von ungefähr. Am 3.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema