Ausgabe Oktober 2010

Der Amoklauf der Erika Steinbach

Der Bund der Vertriebenen und seine Vergangenheit

Sie hat es tatsächlich fertiggebracht. 2003 bekannte der Schriftsteller Ralph Giordano, er habe sich in „persönlichen Begegnungen mit Frau Steinbach davon überzeugt, dass sich tatsächlich etwas im Vertriebenenverband geändert” hätte. Er unterstützte das von ihr betriebene Zentrum gegen Vertreibungen. Auch der Zentralrat der Juden in Deutschland und Historiker aus Tschechien und Polen machten mit bei der daraus entstandenen Stiftung „Flucht, Vertreibung, Versöhnung“. Doch sie alle verließen jetzt fluchtartig Erika Steinbachs Versöhnungstribunal. Und Ralph Giordano warnte Bayerns Regierungschef Horst Seehofer ebenso rechtzeitig wie vergebens vor seinem Auftritt auf dem sogenannten Tag der Heimat: „Was wird nun diesmal, Herr Ministerpräsident? Wieder das Bekenntnis zu der instabilen These ‚Wir verzichten auf Rache und Vergeltung‘, die suggeriert, man habe etwas unterlassen, was einem eigentlich zugestanden hätte?”

Doch Seehofer bekannte sich unter dem Jubel der angetretenen Vertriebenen zu seiner Unionsfreundin. Denn Erika Steinbach ist noch immer die unbestrittene Führerin aller Vertriebenen, Anführerin aller, die noch ein Zweidritteljahrhundert danach ihr Vertriebenensein leben.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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