Ausgabe September 2010

Bauernopfer Pakistan

Ob das Hochwasser schafft, wozu die politische Vernunft bisher nicht reichte? Ob die Katastrophe endlich unseren blinden Fleck namens Pakistan beseitigt? Es sieht nicht danach aus. Viel spricht dagegen dafür, dass Europa bald wieder zu seiner Politik der Vernachlässigung gegenüber Pakistan zurückkehren wird.

Klug wäre das allerdings nicht. In Pakistan leben etwa so viele Menschen wie in Spanien, Frankreich und Deutschland zusammen. Das Land ist extrem heterogen; es verfügt über eine Vielzahl an Sprachen, ethnischen Identitäten und religiösen Orientierungen und ist seit ein oder zwei Generationen höchst fragil: Seit Jahren steht es regelmäßig auf Platz 9 oder 10 der Liste „Gescheiterter Staaten“, 2010 sogar nur vier Plätze hinter dem kriegsgeplagten Afghanistan und noch einen vor Haiti. Und das war der Stand vor der Flutkatastrophe.

Millionen pakistanischer Migranten leben im Westen, etwa in Großbritannien und Kanada – und dass die lokalen Krisen zu Gewaltexport führen können, haben die Terroranschläge in Großbritannien demonstriert.

Nicht übersehen werden sollte schließlich der Status Pakistans als Atommacht: Das Land verfügt bereits heute über 60 bis 80 einsatzfähige Atomsprengköpfe und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.