Ausgabe September 2010

Bauernopfer Pakistan

Ob das Hochwasser schafft, wozu die politische Vernunft bisher nicht reichte? Ob die Katastrophe endlich unseren blinden Fleck namens Pakistan beseitigt? Es sieht nicht danach aus. Viel spricht dagegen dafür, dass Europa bald wieder zu seiner Politik der Vernachlässigung gegenüber Pakistan zurückkehren wird.

Klug wäre das allerdings nicht. In Pakistan leben etwa so viele Menschen wie in Spanien, Frankreich und Deutschland zusammen. Das Land ist extrem heterogen; es verfügt über eine Vielzahl an Sprachen, ethnischen Identitäten und religiösen Orientierungen und ist seit ein oder zwei Generationen höchst fragil: Seit Jahren steht es regelmäßig auf Platz 9 oder 10 der Liste „Gescheiterter Staaten“, 2010 sogar nur vier Plätze hinter dem kriegsgeplagten Afghanistan und noch einen vor Haiti. Und das war der Stand vor der Flutkatastrophe.

Millionen pakistanischer Migranten leben im Westen, etwa in Großbritannien und Kanada – und dass die lokalen Krisen zu Gewaltexport führen können, haben die Terroranschläge in Großbritannien demonstriert.

Nicht übersehen werden sollte schließlich der Status Pakistans als Atommacht: Das Land verfügt bereits heute über 60 bis 80 einsatzfähige Atomsprengköpfe und jedes Jahr kommen neue hinzu.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Indonesien: Die Wut der Gen Z und ihr Kampf gegen die Eliten

von Markus Berg

Seit zwei Jahren ist Indonesiens Präsident Prabowo Subianto nun im Amt – der konservative Ex-General folgte im Oktober 2024 auf den beliebten einstigen Reformer Joko Widodo, kurz: Jokowi, der das Land zehn Jahre lang regiert hatte.

»Kakerlaken«-Proteste: Indiens zerbrochener Gesellschaftsvertrag

von Britta Petersen

Über einen Monat lang demonstrierten junge Menschen in Indiens Hauptstadt Neu-Delhi und weiteren großen Städten des Landes, bis die Regierung ihrer Forderung nach einem Rücktritt des Bildungsministers Dharmendra Pradhan nachgab.