Ausgabe September 2010

Soft Power China?

Kaum eine internationale Entwicklung der letzten Jahre irritiert Öffentlichkeit, Wirtschaft und Politik so sehr wie der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der Volksrepublik China. Vor 25 Jahren noch ein weitgehend abgeschottetes, wirtschaftlich auf niedrigem Niveau agierendes Mysterium, ist dem chinesischen Drachen nun der Sprung unter die beiden erfolgreichsten Staaten der Weltwirtschaft gelungen: Im zweiten Quartal des Jahres hat China Japan als größte Volkswirtschaft nach den USA abgelöst. Zudem ist China international politisch aktiv wie nie zuvor. Die gigantische Weltausstellung in Shanghai demonstriert dies gegenwärtig höchst eindrucksvoll.

Nach dem Ende der Sowjetunion wurde von zahlreichen internationalen Beobachtern auch der Zusammenbruch des kommunistischen Systems der Volksrepublik oder eine aggressivere, militärisch orientierte Außenpolitik Chinas vorhergesagt. Doch das Gegenteil ist offenbar eingetreten: Die kommunistische Partei scheint fester im Sattel zu sitzen denn je; und das Engagement Chinas in internationalen Institutionen wie der UNO oder dem internationalen Währungsfond gibt wesentlich weniger Anlass zur Kritik als von vielen Experten befürchtet.

Die chinesische Regierung betont immer wieder, dass ihr Aufstieg ein friedlicher sein soll. China sei auf eine friedliche, harmonische internationale Zusammenarbeit aus.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.