Ausgabe August 2011

Russlands zweite Modernisierung

Heute, 20 Jahre nach dem Ende der Sowjetunion, haben sich zum Glück jene Katastrophenszenarien nicht bewahrheitet, die nicht ohne Grund Anfang der 90er Jahre en vogue waren: Russland ist nicht in eine Weimarer Situation hineingeschlittert, die manche klugen Beobachter schon hatten kommen sehen, Russland ist vielmehr dank der steigenden Weltmarktpreise für Energie ein reiches, ja ein superreiches Land geworden, das neben China die größten Währungsreserven anhäufen konnte.

Dieser Reichtum, der sich fast automatisch aus der Naturalrente ergab, und der nur zum Teil selbst erarbeitet war, hat jedoch zusehends seine modernisierungsfeindliche Seite zu erkennen gegeben. Ein Land, das über solche Einkommen verfügt, muss sich keine Gedanken machen über andere Formen der Leistungssteigerung, der Erhöhung der Produktivität und der Effizienz.

Dieses Problem ist, wie man aus einem Erlass Peters des Großen herauslesen kann, nicht ganz neu: „Unser russisches Land ist vor vielen andern Ländern durch den Reichtum und die Mannigfaltigkeit von Metallen und Mineralien ausgezeichnet. Man hat bisher dergleichen Stoffen nicht eifrig genug nachgeforscht, insbesondere hat man das Gefundene nicht genug zu verwerten verstanden, und so ist der Vorteil, welchen wir und unsere Untertanen davon hätten haben können, nicht genugsam ins Auge gefasst worden.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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