Ausgabe Juni 2011

Islamische Republik Türkei?

In einer lauen Nacht im April d. J. bestieg ein junges Paar in Istanbul den städtischen Verkehrsbus. Es war kurz vor elf Uhr, um Mitternacht musste die Studentin in ihrem Heimzimmer hoch im Norden des Bosporus sein. Die jungen Leute setzten sich hin, und er legte zärtlich seinen Arm um sie. Nach einer Weile drehte sich der auf die Abfahrszeit wartende Fahrer um und begann zu schreien: „Los, aussteigen! Hier ist nicht der Platz, um so etwas zu machen.“ Der junge Mann hielt dagegen: „Was heißt hier ‘so etwas’ – sag’s doch ganz offen.“ Der Fahrer antwortete: „Na, Sex treiben eben!“ Er schimpfte weiter, auch als sich ein anderer Fahrgast einmischte und das junge Paar verteidigte. Schließlich stiegen alle aus. Der dritte Fahrgast, ebenfalls ein junger Student auf seinem Heimweg, haute mit der Faust auf die Bushaube und rief dem Fahrer zu: „Dieser Bus gehört weder dir noch uns und auch nicht Recep Tayyip Erdogan. Dieser Bus gehört dem Land, das Atatürk gründete!“ Das Ganze endete in einer Schlägerei, in die auch mehrere Passanten verwickelt wurden.

Nachdem dieser für den Zustand der Türkei so exemplarische Vorfall publik wurde, formierte sich im Internet Protest gegen das Verhalten des Busfahrers.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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