Ausgabe Mai 2011

Fukushima, mon horreur

Mit ökonomischer Rationalität in die Katastrophe

„Wenn alles verstrahlt ist, hilft auch kein Mindestlohn“, kommentierte der Co-Vorsitzende der Linkspartei, Klaus Ernst, das gute Abschneiden der Grünen und die Misserfolge der Linkspartei bei den jüngsten Landtagswahlen Ende März 2011. In der Tat: Die Katastrophe von Fukushima hat politische Konzepte und Strategien nicht nur in Japan obsolet gemacht. Selbst die Weltwirtschaftskrise, die ja weiter höchst virulent ist und inzwischen schon so manchen Staat an den Rand der Pleite und den Euroraum fast zum Kollaps brachte, hat weniger drastisch zum Ausdruck gebracht, was Globalisierung konkret bedeutet, als das nukleare Desaster im 9000 Kilometer entfernten Japan.

Die Globalisierung und vor allem ihr Symbol und Vehikel, der Container, sind dafür verantwortlich, dass bereits jetzt radioaktives Material aus Japan in alle Welt verstreut wird. Müssen nun nach der Lockerung von Zoll- und Personenkontrollen neue Radioaktivitätskontrollen eingeführt werden, nach der (Neo-)Liberalisierung der Finanztransaktionen, trotz intensiver Migration, trotz Kulturaustausch, Internet und Mobiltelefon, trotz der vielen formellen und informellen Meetings im Rahmen der G 8, der G 20 usw.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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