Ausgabe Mai 2011

Liberale Blutspur

Was hat sie für Prügel einstecken müssen, die arme Gesine Lötzsch, noch, neben dem irrlichternden Klaus Ernst, Vorsitzende der im Westen stagnierenden Partei „Die Linke“. Prügel dafür, dass sie über die Dialektik von Weg und Ziel auf dem Weg zum Kommunismus räsonierte. Sofort, und keineswegs zu Unrecht, wurde ihr sogar aus der eigenen Partei vorgehalten, unbedacht über Stalin und den Gulag, über Mauer und Stacheldraht hinweggegangen zu sein.

Doch was der einen recht ist, muss dem anderen billig sein. Ulrike Ackermann, Professorin für „Freiheitsforschung“ – nicht, wie die „Süddeutsche Zeitung“ fälschlich schrieb, an der renommierten Universität Heidelberg, sondern an einer vom Diakonischen Werk getragenen, privaten Fachhochschule –, hat es ausgeplaudert: Als sie den derzeit ob seiner Intellektualität so gepriesenen FDP-Generalsekretär Christian Lindner in seinem Büro besuchte, sah sie zwei Bilder an den Wänden seines Büros hängen: Eines des großen Sir Ralf Dahrendorf, der einst mit Rudi Dutschke diskutiert hatte, und eines von Friedrich August von Hayek. Von wem?

Der österreichische Ökonom (1899-1992) wurde 1931 an die London School of Economics berufen und machte sich dort als Geldtheoretiker einen Namen als Gegenspieler von Keynes.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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