Ausgabe Mai 2011

Liberale Blutspur

Was hat sie für Prügel einstecken müssen, die arme Gesine Lötzsch, noch, neben dem irrlichternden Klaus Ernst, Vorsitzende der im Westen stagnierenden Partei „Die Linke“. Prügel dafür, dass sie über die Dialektik von Weg und Ziel auf dem Weg zum Kommunismus räsonierte. Sofort, und keineswegs zu Unrecht, wurde ihr sogar aus der eigenen Partei vorgehalten, unbedacht über Stalin und den Gulag, über Mauer und Stacheldraht hinweggegangen zu sein.

Doch was der einen recht ist, muss dem anderen billig sein. Ulrike Ackermann, Professorin für „Freiheitsforschung“ – nicht, wie die „Süddeutsche Zeitung“ fälschlich schrieb, an der renommierten Universität Heidelberg, sondern an einer vom Diakonischen Werk getragenen, privaten Fachhochschule –, hat es ausgeplaudert: Als sie den derzeit ob seiner Intellektualität so gepriesenen FDP-Generalsekretär Christian Lindner in seinem Büro besuchte, sah sie zwei Bilder an den Wänden seines Büros hängen: Eines des großen Sir Ralf Dahrendorf, der einst mit Rudi Dutschke diskutiert hatte, und eines von Friedrich August von Hayek. Von wem?

Der österreichische Ökonom (1899-1992) wurde 1931 an die London School of Economics berufen und machte sich dort als Geldtheoretiker einen Namen als Gegenspieler von Keynes.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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