Ausgabe Juli 2012

Angeklagt: Die RAF – und der Staat

Der Buback-Prozess und die Rolle des Geheimdienstes

Auch ein Nicht-Ergebnis kann ein Ergebnis sein. Wenn eine Straftat nicht aufgeklärt wird, sieht man im besten Falle, warum dies so ist. Insofern liegt der Wert des Prozesses gegen Verena Becker vor dem Oberlandesgericht Stuttgart nicht primär im Strafrechtlichen, sondern im Politischen. Und zwar gerade nicht, weil es sich um einen politischen Prozess gehandelt hätte, im Gegenteil: Wenn es nach den Staatsschutzorganen gegangen wäre, hätte er gar nicht stattfinden sollen. Der Prozess, der keiner war, erteilte insofern eine Lektion, wie die Bundesrepublik Deutschland funktioniert.

Am 30. September 2010 begann die Hauptverhandlung gegen Verena Becker wegen der tödlichen Schüsse auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback und seine beiden Begleiter Wolfgang Göbel und Georg Wurster vom 7. April 1977. Nach vielen Jahren sollte wieder ein RAF-Prozess stattfinden, das öffentliche Interesse war groß. Doch was sich im Gerichtssaal entfaltete, war alles andere als ein „RAF-Prozess“ der bekannten Art: keine Schreiereien, Beleidigungen, Ausschlüsse. Das Medieninteresse ließ folglich bald nach, Berichterstattung fand kaum noch statt. Was tatsächlich in diesem Prozess vor sich ging, entzog sich so weitgehend der öffentlichen Wahrnehmung. Lediglich wenn frühere RAF-Mitglieder als Zeugen geladen waren, tauchte auch der übliche Pressetross auf.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema