Ausgabe November 2012

Linkes Scheitern, neues Beginnen

Die US-amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag nannte ihn „einen der faszinierendsten moralischen und literarischen Helden des 20. Jahrhunderts“. Für den italienischen Linksphilosophen Antonio Negri war er „einer aus dem Geschlecht der Riesen, ein Gigant im Kampf für Freiheit und kollektives Glück“, und für den Soziologen Mike Davis „der wahrscheinlich größte Arbeiter-Schriftsteller des 20. Jahrhunderts“. Der russische Dichter Jewgeni Jewtuschenko schließlich hat einmal berichtet, wie ihm bei einer Lesereise in Mexiko 1968 die Finger erstarrten, als ihm Freunde ermöglichten, auf der Original-Schreibmaschine von Victor Serge die Geister der Vergangenheit erneut zum Leben zu erwecken.

So bemerkenswert diese Zeugnisse sind, so hoffnungslos wäre das Ansinnen, Vergleichbares auch aus deutschem Munde zusammenzutragen. Hier ist Victor Serge nie wirklich angekommen. Dabei hatte es auch im alten Westdeutschland, vor allem im „roten Jahrzehnt“ der 1970er Jahre, nicht an Versuchen gefehlt, seine Arbeiten einem breiten Publikum bekannt zu machen. Serges „Erinnerungen eines Revolutionärs“ wurden mehrfach neu aufgelegt und gleichzeitig diverse seiner historischen Schriften, Essaysammlungen und Romane ins Deutsche übertragen.

November 2012

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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