Ausgabe September 2012

Politikwechsel in Polderland?

Am 12. September wird ganz Europa auf das Orakel von Karlsruhe starren. Nur die Niederländer werden abgelenkt sein, denn sie müssen am gleichen Tag ein neues Parlament wählen. Mit diesem Wahlgang können sie die europäische Politik auf paradoxe Weise verschieben, nämlich indem sie eine Formation linker Europaskeptiker an die Macht bringen.

Selbst die nüchternen, sparsamen Niederländer haben langsam genug von der endlosen Folge immer neuer und immer gleicher Sparrunden. Zum ersten Mal seit fast 40 Jahren, seit dem legendären Kabinett unter Joop den Uyl in den 70er Jahren, könnten die Niederlande wieder von einer linken Parteienkoalition regiert werden.

Allerdings diesmal nicht mit einem Sozialdemokraten als Premier. Ein Mann namens Emile Roemer, den in Deutschland kaum jemand kennt, könnte der erste sozialistische Regierungschef des Königsreichs werden. François Hollande dürfte das gefallen, jedenfalls solange er noch keine nähere Bekanntschaft mit dem neuen Bundesgenossen in Den Haag gemacht hat. Angela Merkel dagegen verliert, wenn es denn so kommt, einen der treuesten Verbündeten im Kampf um die Durchsetzung ihrer Euro-Krisenpolitik.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Zukunft des Regierens: Projekte statt Koalitionen?

von Albrecht von Lucke

Eigentlich hätte es ein perfekter Start ins neue Jahr für die Grünen sein können: Mit präsidialer Begleitung und stolz geschwellter Brust feierte die Partei ihren 40. Geburtstag und wurde im Hochgefühl ihrer starken Umfrageergebnisse prompt zur neuen Kanzlerschaftsfavoritin geadelt: „Wer besiegt Robert Habeck?“, fragt scheinbar voller Sorgen „Die Welt“.