Ausgabe April 2013

Enthüllung und Legende: Kofi Annan

Bild: DVA

Zu Beginn der 1990er Jahre, ja selbst als er 1993 zum Chef der Abteilung für „Peacekeeping Operations“ ernannt wurde, wäre wohl niemand auf die Idee gekommen, dass der unscheinbare Kofi Annan 1996 zum Chef der Vereinten Nationen aufsteigen würde. Tatsächlich kann Annans rasanter Aufstieg nur vor dem Hintergrund amerikanischer Machtausübung verstanden werden. Sein Vorgänger im Amt, Boutros Boutros-Ghali, schien der Clinton-Regierung zu unabhängig, und so beschloss man kurzerhand, seine Wiederwahl per Veto im Sicherheitsrat zu blockieren. Annan hatte es unterdessen geschickt verstanden, mit der damaligen amerikanischen UN-Botschafterin Madeleine Albright eine hervorragende Arbeitsbeziehung aufzubauen. Und den widerspenstigen Franzosen fehlte letztendlich eine glaubwürdige Alternative zu Annan. Der Rest ist UN-Geschichte.

Soeben ist die Autobiographie Annans erschienen. Der englische Titel des Buches, „Interventions“, soll offenbar das Leitmotiv seiner Amtszeit wiedergeben. Als Befürworter einer aktiven Weltorganisation propagierte Annan das Prinzip des multilateralen Eingreifens, zum Schutz der Menschenrechte oder der Aids-Bekämpfung. Annan spricht von einem moralischen und strategischen Imperativ und begrüßt auch den während seiner Amtszeit geprägten und zu Recht umstrittenen Begriff der „Responsibility to Protect“ (R2P).

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Micha Brumlik: Ein furchtloser Streiter für die Aufklärung

von Meron Mendel

Als die Hamas am 7. Oktober 2023 Israel überfiel und anschließend der Krieg der Netanjahu-Regierung in Gaza begann, fragten mich viele nach der Position eines Mannes – nach der Micha Brumliks. Doch zu diesem Zeitpunkt war Micha bereits schwer krank. Am 10. November ist er in Berlin gestorben.