Ausgabe Dezember 2013

Der »Fall Eschenburg«: Die Bankrotterklärung der Politikwissenschaft

Am 26. Oktober hat der politologische Fachverband Deutschlands, die Deutsche Vereinigung für Politische Wissenschaft (DVPW), entschieden, ihren 2003 erstmalig und danach im Drei-Jahres-Abstand vergebenen Preis für ein politikwissenschaftliches Lebenswerk nicht mehr zu verleihen. Dieser Preis trug den Namen Theodor Eschenburgs, des viele Jahre lang prominentesten deutschen Politikwissenschaftlers, eines Gründungsvaters dieser Disziplin, die erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegen beträchtliche Widerstände in den Fächerkanon der deutschen Universitäten aufgenommen worden war.

Eschenburgs Rolle im Nationalsozialismus ist Gegenstand einer heftigen Debatte innerhalb der politikwissenschaftlichen Zunft. In der DVPW-Pressemitteilung vom 27. Oktober stellt die Verbandsvorsitzende Gabriele Abels fest: „Die bisherigen Aufdeckungen und die intensiven Debatten haben deutlich gemacht, dass es neben den belastenden auch zahlreiche entlastende Erkenntnisse gibt“. Und weiter heißt es: „Unzweifelhaft ist, dass weiterhin gravierende Wissenslücken bestehen, die es auf dem derzeitigen Stand des Wissens unmöglich machen, die Biographie Eschenburgs vor sowie nach 1945 hinreichend zu kontextualisieren, um zu einer Einschätzung zu kommen.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Im Zeitalter der Verwüstung

Bild: imago images / Future Image

Im Zeitalter der Verwüstung

von Mathias Greffrath

2019 war das Jahr, in dem kein Tag verging, ohne neue Klimakatastrophenmeldungen: Brandherde in Bolivien, so groß wie zwei Bundesländer, gestorbene Gletscher auf Island, Dürre im Sudan, tausende Hitzetote in Europa, 700 Millionen Euro Ernteschäden in Deutschland, Venedig unter Wasser wie lange nicht, und immer dramatischere Zahlen.

Mythos Erhard: Die Legende vom deutschen Wirtschaftswunder

von Ulrike Herrmann

Vor bald 75 Jahren ging der Zweite Weltkrieg zu Ende. Danach soll Westdeutschland, so will es die Legende, ein einzigartiges „Wirtschaftswunder“ erlebt haben, das allein der Währungsreform zu verdanken sei. Und wie in jedem Märchen gibt es dabei auch einen Helden: Ludwig Erhard. Selbst Grüne lassen sich inzwischen mit seinem Konterfei abbilden.