Ausgabe Juni 2013

Propaganda und Märtyrertum: Drei Jahrzehnte Videodschihad

Bild: YouTube

Mutter, bleibe standhaft, dein Sohn geht in den Dschihad“, soll der damals 21jährige Arid Uka auf dem Weg zum Frankfurter Flughafen gesummt haben, bevor er kaltblütig zwei US-Soldaten erschoss und zwei weitere schwer verletzte. Die Zeile stammt aus einem Schlachtgesang der deutschen Dschihadisten Munir und Yassin Chouka. Verbreitet wurde das Kampflied der aus Bonn stammenden Brüder und wohl berühmtesten deutschen Propagandisten des Dschihad durch ein Internetvideo der Islamischen Bewegung Usbekistan (IBU).[1] Ein weiteres dschihadistisches Video soll nach eigenem Bekunden des Attentäters Uka direkter Auslöser für die Tat gewesen sein.[2] Am Vorabend hatte er sich einen Propagandastreifen angesehen, der die angebliche Vergewaltigung einer jungen Muslimin durch US-Soldaten zeigt.[3]

Mit den jüngsten terroristischen Anschlägen in Boston ist die Debatte um die Rolle der modernen Medien im internationalen Dschihad wieder voll entbrannt. Tamerlan Zarnajew, der ältere der beiden Brüder, hatte auf seinem Rechner zahlreiche Links zu einschlägigen Seiten und Videos gespeichert. Wie auch der Fall Uka demonstriert dieser Anschlag eindeutig die Gefahren dschihadistischer Propagandaclips.[4] Diese Videos spielen heute, speziell in westlichen Staaten, bei der Radikalisierung jedes Dschihadismus-Sympathisanten eine bedeutende Rolle.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der ökologische Antikapitalist: Das Erbe von Papst Franziskus

von Wolfgang Sachs

Als am 8. Mai dieses Jahres weißer Rauch über dem Vatikan aufstieg und zur Überraschung vieler mit Papst Leo XIV. – oder bürgerlich Robert Francis Prevost – der erste US-Amerikaner zum Papst gekürt worden war, war eines jedenfalls sofort klar: Dieser Papst ist ein direktes Vermächtnis des Pontifikats seines Vorgängers.

Friedrich Schorlemmer: Theologe, Autor, Widerständler

von Bettina Röder

Am 9. September starb der wortmächtige Theologe und mutige Bürgerrechtler Friedrich Schorlemmer. Seit 1990 gehörte er zum Herausgeberkreis der »Blätter«. Alljährlich nahm er an unseren Herausgeberkonferenzen teil. Wir erinnern an Friedrich Schorlemmer mit einem Nachruf seiner Weggefährtin, der Journalistin Bettina Röder, sowie mit seinen eigenen Worten.