Ausgabe Oktober 2013

Geistige Verwandtschaft: Jean Paul und Georg Büchner

Die beiden großen literarischen Jubilare dieses Jahres – Jean Paul Friedrich Richter und Georg Büchner – scheint auf den ersten Blick mehr als 50 Jahre zu trennen. Hier Jean Paul, Jahrgang 1763, der Autor der kleinen Leute und des großen Herzens, aufgewachsen als Hungerleider in der vogtländischen Provinz in Franken, der das Leben in einer Kleinstadt wie Bayreuth dem in Weimar, der geistigen Hauptstadt seiner Zeit, vorzog. Jean Paul – der wetterfroschzüchtende Kauz, der passionierte Biertrinker, der schwärmerische Spaziergänger und Liebling seiner weiblichen Leser.

Dort Georg Büchner, Jahrgang 1813, der Frühvollendete, der mit dem „Hessischen Landboten“ eine furiose Agitationsschrift verfasste und per Steckbrief gesucht wurde, bevor er sich vom dichtenden Revolutionär zum revolutionären Dichter wandelte.

Hier Jean Paul, der Ungelesene unter den deutschen Dichtergenies. Heute ist er den meisten nur durch seine Aphorismen und Bonmots bekannt, die sich allerdings en masse aus seinem Werk heraussieben lassen. Er ist zeitlebens ein Schreibwütiger, sein Nachlass bewahrt unfassbare 40 000 Manuskriptseiten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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