Ausgabe Oktober 2013

Ökologische Gleichheit

Warum grün zu sein heute links sein bedeutet

Wir leben in einer „vollen Welt“. Das war schon vor längerer Zeit der Befund des US-Ökonomen Herman Daly. Er meinte damit, dass die Welt des Menschen mittlerweile die natürlichen Kreisläufe prägt.[1] In früheren Jahrhunderten, in der „leeren Welt“, war das noch anders. Was die einen taten, war für die Menschen auf anderen Kontinenten in ökologischer Hinsicht ohne Bedeutung. Heute ist dagegen jeder Zuwachs zugleich ein Rückgang, jeder Nutzen ein Schaden an anderer Stelle. Deshalb, so Dalys Schlussfolgerung, ist der Grenznutzen des Wachstums tendenziell null und kann sogar negativ werden, wenn die angerichteten Schäden den gestifteten Nutzen übersteigen. Daly nennt das „unökonomisches Wachstum“ und ist mit diesem Begriff leider eine Ausnahme geblieben. Denn meistens gilt immer noch, was Kenneth Boulding, ein anderer Begründer der ökologischen Ökonomie, schon vor 40 Jahren feststellte: „Wer glaubt, dass in einer endlichen Welt immerwährendes Wachstum möglich sei, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“[2]

Trotz aller Gefangenheit im Wachstumscredo dämmert allmählich selbst einigen hartnäckigen Verfechtern freier Märkte, dass die Ökonomie erstmals unter dem Dach umfassender Größenbeschränkungen zu denken ist.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema