Ausgabe Dezember 2014

Vom Süden lernen: Kapitalismus in der Peripherie

Ein Vierteljahrhundert nach dem Zusammenbruch des realsozialistischen Blocks hat sich die Weltökonomie drastisch verändert: Wurde noch Anfang der 90er Jahre speziell im Westen der weltweite Siegeszug des Kapitalismus gefeiert,[1] ist dieser Triumphalismus in den letzten Jahren zunehmend der Ernüchterung gewichen. Ausgerechnet jene Staaten, die sich als Modellländer der liberalen Marktwirtschaft verstanden – die USA und andere Staaten der angelsächsischen Welt –, bildeten den Ausgangspunkt einer Wirtschaftskrise, die in den „fortgeschrittenen Ländern“ nun schon seit sieben Jahren anhält. Schlimmer: Die sogenannten Entwicklungsländer, denen man schlechte Regierungsführung, zu viel Bürokratie, Korruption, Staatseinmischung, unsichere Eigentumsverhältnisse usw., kurz: Ineffizienz, vorwirft, konnten sich den Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzmarktkrise nicht nur am besten entziehen, sie legen seither wieder ein Entwicklungstempo vor, das die kriselnden Wirtschaften der alten Industrieländer in den Schatten stellt.

Der Aufstieg der Peripherie

Die Verschiebungen in der wirtschaftlichen Dynamik der letzten Jahrzehnte sind einschneidend: Die alten Industrieländer des Nordens wuchsen zwischen 2000 und 2014 im Jahresdurchschnitt nur noch um 1,5 Prozent, während die „Schwellen- und Entwicklungsländer“ um rund 6 Prozent expandierten.

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