Ausgabe April 2015

Kambodscha: Genozid ohne Täter?

Vor 40 Jahren, am 17. April 1975, begann der Einmarsch der Roten Khmer in Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh. Dem folgte einer der schlimmsten Genozide der jüngeren Geschichte: Schätzungen zufolge kostete die knapp vierjährige Gewaltherrschaft 1,7 bis 2 Millionen Menschen das Leben.[1] Etwa eine halbe Million gesellschaftlicher Schlüsselpersonen wurde gezielt umgebracht: Offiziere, Beamte, Polizisten, Lehrer und Professoren, aber auch Ärzte und Apotheker. Schon wer eine Brille trug, war seines Lebens nicht mehr sicher. Es kam zu massenhaften Verhaftungen, Hunderttausende wurden auf das Land vertrieben und mussten Zwangsarbeit verrichten.

Doch bis heute wurden nur wenige Verantwortliche verurteilt, was nicht zuletzt an der geopolitischen Vorgeschichte des Massenmordes liegt. Nach dem offiziellen Ende des Vietnamkrieges 1973 war Kambodscha zum Konfliktschauplatz zwischen den USA und der UdSSR geworden. Die siegreichen Soldaten aus dem kommunistischen Nordvietnam benutzten das Grenzgebiet als Rückzugsraum und zur weiteren Eroberung Südvietnams. Die US-Luftwaffe bombardierte deshalb die Region völkerrechtswidrig, wobei etwa 200 000 Kambodschaner den Tod fanden. Die betroffene Landbevölkerung floh in Massen in die Hauptstadt. Während die wechselnden kambodschanischen Regierungen sich gegenseitig blockierten, verkaufte die korrupte Armee Waffen an ihre Gegner.

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