Ausgabe Dezember 2015

Zivilgesellschaft statt Sozialismus

In der Oktober-Ausgabe der Blätter plädierte der Sozialphilosoph Axel Honneth für eine Neubesetzung des Begriffs Sozialismus. Einen Etikettenschwindel sieht darin der Sozialwissenschaftler Reinhard Blomert.

Axel Honneth will „den Sozialismus“ wieder aufladen und revidieren. Eine überraschende Ankündigung, bei der man sich nicht nur fragt, mit welchem Mut Honneth diesen schillernden Begriff als ein klar definierbares geistiges Gebilde darstellt, sondern auch, welche Absichten er mit einem solchen Vorstoß verbindet.

Will er „den Sozialismus“ zunächst von „den Schlacken seines im 19. Jahrhundert wurzelnden Denkgehäuses befreien“, um ihm eine „der Gegenwart gemäße Gestalt“ zu geben, so hebt er ihn dann in den Rang eines „historisch übergreifenden Prozesses der Befreiung von kommunikationshemmenden Abhängigkeiten“. Er gibt ihm – in der Sprache Ernst Blochs – eine Fama als „Vorschein des Zukünftigen“, der in der Gegenwart aufgesucht werden kann. Honneths Beispiele für diesen Vorschein auf einen zukünftigen Sozialismus sind die Mitbestimmung und der Mindestlohn.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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