Ausgabe März 2015

Die zarenlose, die schreckliche Zeit?

Über Orlando Figes‘ 1996 erschienenes Werk „Die Tragödie eines Volkes. Die Epoche der Russischen Revolution 1891 bis 1924“ schrieb der höchst sachkundige Eric Hobsbawm, es „wird mehr zum Verständnis der Russischen Revolution beitragen als irgendein anderes Buch, das ich kenne“. Nach weiteren groß angelegten Studien wie „Die Flüsterer“ über die Stalinzeit, in denen Figes nicht nur alte Quellen neu deutete, sondern viele neue erschloss, gibt er nun mit „Hundert Jahre Revolution“ einen überaus lesenswerten, kompakten Überblick über Russland im 20. Jahrhundert, der als luzide Vorgeschichte der heutigen Krise gelesen werden kann.

Der Autor unterteilt die 100 Jahre in drei Phasen. Er beginnt mit der Hungersnot von 1891, wobei er sich auch auf Trotzki als bedeutenden Akteur wie Chronisten beruft (im Gegensatz zu seinem britischen Landsmann Robert Service, der diesen in seiner Biographie nicht kritisch analysiert, sondern lediglich diffamiert). Nach Trotzkis Ansicht reichen objektive Umstände – etwa bedrängendes menschliches Elend – für eine revolutionäre Gärung allein nicht aus, daneben bedarf es subjektiver Faktoren, das heißt besonderer Ereignisse und des Verhaltens Einzelner, damit es zum Aufstand kommt.

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