Ausgabe Mai 2015

Marx in Marburg

In zwei hessischen Universitätsstädten bildeten sich nach dem Zweiten Weltkrieg Schulen heraus, die einen prägenden Einfluss auf die linke Debatte in der Bundesrepublik nehmen sollten. Neben der bekannteren Frankfurter Schule um Max Horkheimer und Theodor W. Adorno entstand eine Marburger Schule um den Politikwissenschaftler und Juristen Wolfgang Abendroth.

Lothar Peter, emeritierter Soziologieprofessor an der Universität Bremen, gelingt es auf rund 220 Seiten, die wissenschaftliche und politische Wirksamkeit der Marburger Schule über den Zeitraum der letzten 60 Jahre zu beleuchten. Indem Peter biographische Daten mit den Arbeitsschwerpunkten der wichtigsten Marburger Köpfe verbindet, beschreibt er deren Wirken auch als einen Kampf für eine andere, demokratische Entwicklung. Damit macht er zugleich die Anfeindungen, Denunziationen und Ausgrenzungsversuche nachvollziehbar, denen die Marburger vielfach ausgesetzt waren. Die Marburger Schule entwickelte sich ab 1951, nach der Berufung Wolfgang Abendroths an die dortige Philipps-Universität. Später stießen die Soziologen Heinz Maus (1960) und Werner Hofmann (1966) hinzu.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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