Ausgabe Oktober 2015

Überschreiten und Unterwandern

Albert O. Hirschmans Odyssee durch das 20. Jahrhundert

Bild: Hernán Díaz (1963)

Es ist schwer zu erklären, warum der 100. Geburtstag von Albert O. Hirschman am 7. April dieses Jahres in Deutschland nahezu unbemerkt geblieben ist. Nur die „Frankfurter Rundschau“ brachte einen kurzen Artikel von Claus Leggewie. Dabei war Hirschman einer der unkonventionellsten und kreativsten Sozialwissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts. Seine zahlreichen Schriften, darunter sein bekanntestes Werk „Exit, Voice, and Loyalty“, machen ihn zu einem der wichtigsten Sozialtheoretiker jenseits des Mainstreams. Zugleich hat er mit seiner schier unglaublichen Vita dieses Jahrhundert wie nur wenige andere politische Denker an maßgeblichen Schauplätzen miterlebt und geprägt.

Hirschman war zeit seines Lebens ein zutiefst politischer Mensch. Schon als Schüler in Berlin setzt er sich gegen den Faschismus ein, anschließend im spanischen Bürgerkrieg sowie in Frankreich und Italien. In Marseille wird er zum Lebensretter für Naziverfolgte. Während der lateinamerikanischen Militärdiktaturen baut er institutionelle Rettungsflöße für oppositionelles Denken und hilft so dabei, den Boden für die Rückkehr zur Demokratie zu bereiten.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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