Ausgabe Oktober 2015

Überschreiten und Unterwandern

Albert O. Hirschmans Odyssee durch das 20. Jahrhundert

Bild: Hernán Díaz (1963)

Es ist schwer zu erklären, warum der 100. Geburtstag von Albert O. Hirschman am 7. April dieses Jahres in Deutschland nahezu unbemerkt geblieben ist. Nur die „Frankfurter Rundschau“ brachte einen kurzen Artikel von Claus Leggewie. Dabei war Hirschman einer der unkonventionellsten und kreativsten Sozialwissenschaftler des vergangenen Jahrhunderts. Seine zahlreichen Schriften, darunter sein bekanntestes Werk „Exit, Voice, and Loyalty“, machen ihn zu einem der wichtigsten Sozialtheoretiker jenseits des Mainstreams. Zugleich hat er mit seiner schier unglaublichen Vita dieses Jahrhundert wie nur wenige andere politische Denker an maßgeblichen Schauplätzen miterlebt und geprägt.

Hirschman war zeit seines Lebens ein zutiefst politischer Mensch. Schon als Schüler in Berlin setzt er sich gegen den Faschismus ein, anschließend im spanischen Bürgerkrieg sowie in Frankreich und Italien. In Marseille wird er zum Lebensretter für Naziverfolgte. Während der lateinamerikanischen Militärdiktaturen baut er institutionelle Rettungsflöße für oppositionelles Denken und hilft so dabei, den Boden für die Rückkehr zur Demokratie zu bereiten.

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In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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