Ausgabe November 2016

»Lasst sie doch absaufen«, Teil 1

Umweltrassismus und das Ende der Heimat

Edward Said war kein tree-hugger – keiner, der Bäume umarmt oder sich zu ihrem Schutz an sie kettet. Er, der von Händlern, Handwerkern und Akademikern abstammte, charakterisierte sich selbst einmal als „Extremfall eines verstädterten Palästinensers, dessen Verhältnis zur ländlichen Welt im Grunde rein metaphorischer Art ist“. In „After the Last Sky“, seiner Meditation über die Fotografien Jean Mohrs, erforschte er palästinensisches Leben bis in seine intimsten Aspekte hinein, von der Gastfreundschaft über den Sport bis hin zu Lebensstil und häuslichem Ambiente. Noch das kleinste Detail – die Hängung eines gerahmten Bildes, die Trotzhaltung eines Kindes – löste eine wahre Sturzflut Saidscher Einsichten aus. Doch vor Bildern von palästinensischen Bauern – wie sie mit ihrem Vieh umgingen oder Feldarbeit verrichteten – verflüchtigte sich Saids Beobachtungsgabe. Welche Getreidesorten wurden da angebaut? Wie war die Bodenqualität? Gab es genug Wasser? Da kam rein gar nichts. „Ich sehe immer nur ein Volk armer, leidender Bauern, manchmal als Farbfleck, aber unwandelbar und kollektiv“, gestand er. Das sei, wie er zugab, eine „mythische“ Wahrnehmung – aber er wurde sie nicht los.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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