Ausgabe Oktober 2016

Die Komplexität des Populismus

In der August-Ausgabe der »Blätter« warf der Politikwissenschaftler Dieter Boris seinem Kollegen Jan-Werner Müller (Schatten der Repräsentation: Der Aufstieg des Populismus, »Blätter«, 4/2016) eine »Populismuskritik ohne Tiefgang« vor. Darauf erwidert der kritisierte Jan-Werner Müller.

Dieter Boris wirft mir zweierlei vor: ein „reduktionistisches Demokratieverständnis” und die Unfähigkeit, etwas Gehaltvolles über die Entstehungsbedingungen von Populismus zu sagen. Ein wirkliches Argument gegen meine Charakterisierung von Populismus wird dagegen nicht vorgebracht, was ja auch möglich gewesen wäre (nach dem Motto: Populismus ist etwas völlig anderes, als mein Beitrag behauptet).

Ich gehe hier kurz auf die zwei Hauptpunkte ein, weil sie auch in anderen kritischen (allerdings auch konstruktiveren und weniger Ressentiment-geladenen) Bemerkungen zu meinem neuen Buch „Was ist Populismus?“ aufgetaucht sind und zumindest teilweise auf Missverständnissen beruhen.

Erstens: Auf grenzwertige Weise wird hier aus einer historischen Analyse auf die normative Position des Autors geschlossen. Der von Boris zitierte Satz „Das Ideal der Volkssouveränität sollte so weit wie möglich heruntergedimmt werden“, ist keine Forderung von mir, sondern beschreibt die Haltung maßgeblicher Eliten im Nachkriegseuropa.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juli 2020

In der Juli-Ausgabe beleuchten der Historiker Ibram X. Kendi und die Soziologin Keeanga-Yamahtta Taylor die lange Tradition rassistischer Gewalt in den USA – und zeigen Wege aus dem amerikanischen Albtraum auf. Der Soziologe Gary Younge und der Journalist Marvin Oppong richten den Blick auf den Rassismus und die Polizeigewalt in Europa. Der Journalist Michael Pollan legt die brutale Effizienz der Lebensmittelindustrie offen – die uns alle buchstäblich krank macht. Und »Blätter«-Redakteur Albrecht von Lucke analysiert den steilen Aufstieg Markus Söders inmitten der Coronakrise - und dessen Chancen, nächster Bundeskanzler zu werden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema