Ausgabe Februar 2017

Wer bellt, muss auch beißen wollen

Immer wieder trifft das Bundesverfassungsgericht wichtige Entscheidungen in europäischen Fragen, zuletzt in Sachen CETA. Dabei sorgt Karlsruhe für ein Minimum an demokratischer Mitsprache, scheut aber den offenen Konflikt mit der Regierung. Ob dies angesichts des Drucks der Märkte ausreicht, bezweifelt der Richter Christopher Hörster.

Erneut fällte das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) im Oktober letzten Jahres eine seiner viel beachteten Entscheidungen zur Europäischen Union. Es lehnte darin die Eilanträge ab, die gegen das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada (CETA) gerichtet waren.

Die Auseinandersetzung um CETA bildete einen vorläufigen Höhepunkt in der sich zuspitzenden Konfrontation um den Erhalt der Demokratie. Und in dieser spielen die Karlsruher Richter immer häufiger eine entscheidende Rolle.

CETA ist nichts weniger als ein Frontalangriff auf die Demokratie: So sieht das Vertragswerk nicht nur vor, dass Wirtschaftsvertreter in den Gesetzgebungsprozess eingebunden werden, noch bevor die Parlamente über die Entwürfe beraten können. Es schafft obendrein einen unabhängigen und von jeder demokratischen Kontrolle losgelösten Gesetzgeber: Sobald CETA in Kraft tritt, darf ein „gemischter Ausschuss“ aus „Vertretern der EU und Kanadas“ Änderungen des Vertragswerks beschließen, die die teilnehmenden Staaten umsetzen müssen.

Sie haben etwa 14% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 86% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Alternativen zum Geist der Ausbeutung

von Mariana Mazzucato

Während das Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Motto »A Spirit of Dialogue« (Ein Geist des Dialogs) tagt, haben die USA die Kontrolle über die Ölinfrastruktur Venezuelas übernommen und eine »unbefristete« amerikanische Verwaltung der Erdölreserven des Landes eingerichtet.