Ausgabe Juli 2018

»Die soll an Schwänzen ersticken«

Hass und Frauenverachtung im Internet

Ein weit geöffneter Mund, der mit einer Folie bedeckt ist

Bild: pischare / photocase.de

Was glaubt ihr wohl, was die mit ihren roten Haaren
und dem Makeup bezweckt? Die will Beachtung. Und mit den Texten? Dasselbe. Dieses Miststück ist eine Hure, die soll an Schwänzen ersticken.
– 4chan, 2016

 

Diese nette Laurie Penny beim New Statesman ist doch in Wahrheit ein konservativer Maulwurf, der die Linke von Innen zersetzen will.

– Alex Massie, »TheSpectator«, 2013

 

Hängt diesen Clown. Hängt Laurie Penny.
– Urban75 (linkes Forum in Großbritannien), 2011

 

Eine feuchtkühle Sommernacht. Du bist 24 und rufst bei der Selbstmord-Hotline an.

Die freundliche Dame am anderen Ende ist wohl um die siebzig. Sie hört verständnisvoll zu, während du ihr erzählst, dass Hunderte, Tausende von Fremden schreckliche Dinge über dich sagen und manche dir ernsthaft wehtun wollen. Du weißt nicht, warum. Du bist doch nur Autorin, und so etwas hast du nicht erwartet. Manche schildern dir detailliert ihre Vergewaltigungs- und Mordfantasien.

Die Dame ist reizend, fragt, ob diese Stimmen dir auch manchmal Befehle erteilen. Ja, sie sagen, du sollst aufhören zu schreiben. Du sprichst im Flüsterton mit der freundlichen Dame, weil du deine schlafende Familie nicht aufwecken und beunruhigen willst. Du verdienst es nicht zu leben, sagen diese Fremden, geschweige denn, eine Zeitungskolumne zu füllen.

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