Ausgabe März 2018

Wie viel Marx steckt im Marxismus?

Zum 200. Geburtstag einer Jahrhundertgestalt

Die Marx-Festspiele gehen weiter: Nachdem im vergangenen Jahr „150 Jahre – Das Kapital“ feierlich begangen wurden, kündigt sich nun Karl Marx‘ 200. Geburtstag am 5. Mai an. Damit stehen zwei zentrale Fragen im Raum: Wer war dieser Marx? Und in welchem Verhältnis steht er zu seinem Werk – und vor allem zu dem, was anschließend daraus gemacht wurde?

Dass „der“ Marxismus, wie er im 20. Jahrhundert im Namen der Parteihäuptlinge Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot als Dogmenensemble auftrat, nur periphere Ähnlichkeiten mit dem urban-humanen Leben und Werk von Marx aufweist, ist eine oft übersehene Einsicht. Auch die Vorstellung, Marx habe ein geschlossenes Ganzes hinterlassen, ist eine Illusion. Das zeigt eindrucksvoll die neue historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke von Marx und Engels (MEGA). Sie belegt, dass es sich bei zentralen Werken von Marx wie dem „Kapital“ oder der „Deutschen Ideologie“ um Fragmente handelt, die erst von fremder Hand zu „Marx-Werken“ kompiliert wurden. 70 von 140 geplanten Text- und Kommentarbänden weist die MEGA definitiv als Konstrukt Nachgeborener aus. Dieser Schatz aus Textvarianten, Skizzen und Kommentaren bildet die Grundlage einer jeden Restaurations- und Historisierungsarbeit.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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