Ausgabe November 2018

Judenhasser allerorten?

In der September-Ausgabe diagnostizierte der Publizist Richard C. Schneider eine neue Normalität des Antisemitismus »von Orbán bis Corbyn«. Dem widerspricht entschieden der Erziehungswissenschaftler Georg Auernheimer.

Richard C. Schneider benennt zwei Politiker von gegensätzlichen Polen des politischen Spektrums als Beispiele für Spielarten des Antisemitismus: Ungarns rechts-autoritären Premierminister Viktor Orbán und den linken Labour-Chef Jeremy Corbyn. Allein das lässt aufhorchen. Und auch die im Titel behauptete „neue Normalität des Antisemitismus“ überrascht. Was da suggeriert wird, hält allerdings der Überprüfung nicht stand. Der Verfasser widerspricht sich an diversen Punkten selbst.

Aufschlussreich ist zunächst folgendes: Schneider selbst muss konzedieren, dass sich Europas Rechtspopulisten „in erster Linie und primär gegen die ‚Überfremdung‘ durch Muslime aussprechen“. Dass diese Formulierung angesichts der jüngsten Ereignisse in der Bundesrepublik stark verharmlosend ist, sei hier nur am Rande vermerkt.

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Flagge der DDR

Bild: Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?

Ostdeutscher Antisemitismus: Wie braun war die DDR?

von Micha Brumlik

Der Anschlag auf die Synagoge in Halle am 9. Oktober war nicht nur eine allgemeine Spätfolge des okzidentalen Judenhasses sowie des deutschen Nationalsozialismus, sondern auch ein Resultat der politischen Kultur der untergegangenen DDR.

Bild: Quinn Buffing / Unsplash

Der Wille zum Töten

von Klaus Theweleit

Vor 40 Jahren veröffentlichte Klaus Theweleit den ersten Band von »Männerphantasien« und machte damit sofort Furore.

Bild: imago images / snapshot

Das Fanal von Halle: Der neue, alte Antisemitismus

von Christian Bangel

Mit den Morden von Halle hat der Judenhass in Deutschland ein neues Fanal gesetzt. Nun kann man hoffen, dass die Tat Wirkung zeigt, dass sie so etwas wie eine Selbstüberprüfung der gesellschaftlichen Mitte auslöst. Doch bisher deutet wenig darauf hin.