Ausgabe Dezember 2019

Die antifeministische Internationale

Es waren krude Sätze, mit denen Stephan B., der Attentäter von Halle, seine Morde zu rechtfertigen versuchte: „Feminismus ist schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen, die die Ursache für die Massenimmigration ist. Und die Wurzel dieser Probleme ist der Jude.“ So wirr diese Verschwörungstheorie auch ist, steht sie doch exemplarisch für einen beunruhigenden Trend: Antifeminismus ist ein prägendes Motiv bei vielen Rechtsterroristen, sei es in Halle, Christchurch oder auf Utøya. Doch damit nicht genug: Weltweit haben sich Antifeminismus und konservativer Familismus in den vergangenen Jahrzehnten zu regelrechten Steigbügelhaltern für den Aufstieg von Rechtspopulisten und Autoritären entwickelt. Frauenfeindliche Ideologien fungieren dabei als Bindeglieder zwischen rechtskonservativen Sicherheits-, Migrations- und Bevölkerungsdiskursen. Es tobt ein Kulturkampf um die Definitionsmacht über Sexualität, Geschlecht und Familie sowie um sexuelle und reproduktive Rechte. Der zentrale Vorwurf an den Feminismus und den sogenannten Genderismus lautet: Sie würden die als natürlich oder gottgewollt behauptete patriarchale Ordnung zersetzen, „wehrhafte“, „mannhafte“ Maskulinität (Björn Höcke) unterminieren sowie soziale und kulturelle Identitäten zerstören. Verknüpft mit Migrationsabwehr und Rassismus werden Geschlechterfragen aus rechter Perspektive politisiert wie nie zuvor.

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Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

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