Ausgabe Dezember 2019

Die antifeministische Internationale

Es waren krude Sätze, mit denen Stephan B., der Attentäter von Halle, seine Morde zu rechtfertigen versuchte: „Feminismus ist schuld an der sinkenden Geburtenrate im Westen, die die Ursache für die Massenimmigration ist. Und die Wurzel dieser Probleme ist der Jude.“ So wirr diese Verschwörungstheorie auch ist, steht sie doch exemplarisch für einen beunruhigenden Trend: Antifeminismus ist ein prägendes Motiv bei vielen Rechtsterroristen, sei es in Halle, Christchurch oder auf Utøya. Doch damit nicht genug: Weltweit haben sich Antifeminismus und konservativer Familismus in den vergangenen Jahrzehnten zu regelrechten Steigbügelhaltern für den Aufstieg von Rechtspopulisten und Autoritären entwickelt. Frauenfeindliche Ideologien fungieren dabei als Bindeglieder zwischen rechtskonservativen Sicherheits-, Migrations- und Bevölkerungsdiskursen. Es tobt ein Kulturkampf um die Definitionsmacht über Sexualität, Geschlecht und Familie sowie um sexuelle und reproduktive Rechte. Der zentrale Vorwurf an den Feminismus und den sogenannten Genderismus lautet: Sie würden die als natürlich oder gottgewollt behauptete patriarchale Ordnung zersetzen, „wehrhafte“, „mannhafte“ Maskulinität (Björn Höcke) unterminieren sowie soziale und kulturelle Identitäten zerstören. Verknüpft mit Migrationsabwehr und Rassismus werden Geschlechterfragen aus rechter Perspektive politisiert wie nie zuvor.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

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