Ausgabe Januar 2019

Israel oder: Die politische Theologie der Wiedergeburt

Dass der Staat Israel im vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag feiern durfte, ist zunächst als Glücksfall zu betrachten. Die Deklaration des Staates am 14. Mai 1948 – nach jüdischer Zeitzählung am 5. Ijar 5708 – war das Ergebnis und der Endpunkt einer langen, leidvollen Geschichte. Doch die Freude über diesen Festtag war im Land selbst getrübt. Denn während wie 70 Jahre zuvor die Menschen auf den Straßen Tel Avivs tanzten, starben an der Grenze zwischen Israel und dem abgeriegelten Gazastreifen junge, von der radikal-islamistischen Hamas aufgestachelte Palästinenser durch die Geschosse israelischer Soldaten. Zudem zeugte die heftige innergesellschaftliche Debatte über das sogenannte Nationalitätsgesetz, das am 19. Juli 2018 verabschiedet wurde, wie zentral die Identitätsfrage für die Israelis auch Jahrzehnte nach der Staatsgründung noch immer ist. Einen „Schlüsselmoment für die Geschichte des Zionismus und des Staates Israel“ nannte Premierminister Benjamin Netanjahu das hochumstrittene Gesetz. Es trägt in erster Linie symbolpolitische Züge und soll den jüdischen Charakter des Staates Israel stärken. Dazu wird etwa dem Arabischen der Status als Amtssprache entzogen und Jerusalem als Hauptstadt bekräftigt.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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