Dass der Staat Israel im vergangenen Jahr seinen 70. Geburtstag feiern durfte, ist zunächst als Glücksfall zu betrachten. Die Deklaration des Staates am 14. Mai 1948 – nach jüdischer Zeitzählung am 5. Ijar 5708 – war das Ergebnis und der Endpunkt einer langen, leidvollen Geschichte. Doch die Freude über diesen Festtag war im Land selbst getrübt. Denn während wie 70 Jahre zuvor die Menschen auf den Straßen Tel Avivs tanzten, starben an der Grenze zwischen Israel und dem abgeriegelten Gazastreifen junge, von der radikal-islamistischen Hamas aufgestachelte Palästinenser durch die Geschosse israelischer Soldaten. Zudem zeugte die heftige innergesellschaftliche Debatte über das sogenannte Nationalitätsgesetz, das am 19. Juli 2018 verabschiedet wurde, wie zentral die Identitätsfrage für die Israelis auch Jahrzehnte nach der Staatsgründung noch immer ist. Einen „Schlüsselmoment für die Geschichte des Zionismus und des Staates Israel“ nannte Premierminister Benjamin Netanjahu das hochumstrittene Gesetz. Es trägt in erster Linie symbolpolitische Züge und soll den jüdischen Charakter des Staates Israel stärken. Dazu wird etwa dem Arabischen der Status als Amtssprache entzogen und Jerusalem als Hauptstadt bekräftigt.
In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.