Ausgabe März 2019

Böhm, Hayek, Merz: Der Staat als Diener des Marktes

Dass sich seit den 1980er Jahren, besonders unter den Regierungen Reagan und Thatcher, eine Neoliberalisierung der Wirtschaftspolitik weltweit durchgesetzt hat, ist unstrittig. Die Ausweitung der Marktzone durch Privatisierungen, neue Möglichkeiten für die Finanzindustrie und den Abbau staatlicher Regulierung (beispielsweise auf den Arbeitsmärkten) wurde begleitet von einer Wirtschaftstheorie, die den Markt als bestmögliche Koordinierungs- und Verteilungsinstanz ansieht.[1]

Gegenüber dieser Entwicklung scheinen die Zustände vor der „neoliberalen Wende“ wenn nicht gleich paradiesische, so doch wesentlich sozialere Formen des Kapitalismus gewesen zu sein. Hierzulande kommt hinzu, dass Theorie und Praxis des Neoliberalismus als Import aus Amerika wahrgenommen werden, demgegenüber die soziale Marktwirtschaft in Deutschland ein ganz anderes und auch vorzugswürdigeres Modell gewesen sei.

So befürchtete auch Albrecht von Lucke eine Umcodierung der CDU, wenn denn Friedrich Merz als Protagonist des angelsächsischen Kapitalismus zum Vorsitzenden gewählt worden wäre: „Merz steht gerade nicht für das, was soziale Marktwirtschaft und rheinischer Kapitalismus bedeuteten, nämlich Wettbewerb und sozialen Ausgleich.

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