Ausgabe August 2020

Die Illusion der Anonymität: Big Data im Gesundheitssystem

Vitruvian man

Bild: imago images / Science Photo Library

Im Streit um die Corona-App traten zivilgesellschaftliche Akteure erbittert für mehr Datenschutz ein – und ihr Erfolg hat deutlich gezeigt: Gesundheits- und Datenschutz stellen keinen Widerspruch dar, sondern können Hand in Hand gehen.[1]

Dass sich diese Erkenntnis ausgerechnet in der Pandemie durchsetzte, ist eine große Chance für den Datenschutz im Gesundheitsbereich. Denn in den meisten Debatten wird Datenschutz noch immer als Hindernis für geradezu revolutionäre Innovationen dargestellt. So versprechen sich Politiker*innen von einer umfassenden elektronischen Verarbeitung der Patient*innendaten eine deutlich verbesserte Gesundheitsversorgung. In der medizinischen Forschung soll die Auswertung großer Datensätze (Big Data) mittels „Data Mining“ und Künstlicher Intelligenz sogar gänzlich neue Diagnose- und Therapiemöglichkeiten erschließen. Hier wie dort werden Datenschutzbedenken zumeist relativiert oder – nicht zuletzt im internationalen Kontext – als spezifisch deutsche Befindlichkeit abgetan.

Tatsächlich aber sollte der Datenschutz gerade in der Gesundheitsversorgung nicht als eine Befindlichkeit, sondern als essenzieller Schutz unserer Grundrechte geachtet werden. Um diesen Schutz zu gewähren, wird häufig von Dienstanbietern eine Pseudo- oder Anonymisierung sensibler Daten zugesagt.

August 2020

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