Ausgabe Februar 2020

Prostitution als NS-Kriegsmittel

Über Prostitution zu schreiben, bedeutet, sich in ein gesellschaftliches Minenfeld zu begeben. Und über Prostitution in Wehrmachtsbordellen zu schreiben, ist gleich doppelt schwierig. Denn hier geht es nicht nur um die Frage, was Prostitution ihrem Wesen nach ist, sondern auch darum, inwiefern Prostitution als Kriegsmittel und Teil der Besatzungspolitik Nazi-Deutschlands gewertet werden muss.

In ihrem Buch „‚Gerne will ich wieder ins Bordell gehen…‘. Maria K.s ‚freiwillige‘ Meldung für ein Wehrmachtsbordell“ nähert Anne S. Respondek sich diesen Themen über die Mikroebene, in Form einer sozialgeschichtlichen, biographischen Studie. Auf Grundlage einer Akte aus dem Staatsarchiv Poznan´ sowie anderer historischer Quellen rekonstruiert Respondek die Geschichte der Maria K., einer jungen Polin, die von den deutschen Besatzern zunächst in ein Wehrmachtsbordell gezwungen und später nach Auschwitz deportiert wird. Anhand eines konkreten Einzelfalls wird so beleuchtet, wie „das System Wehrmachtsbordell“ funktionierte und wie es sich auf die Lebenswelt der betroffenen Frauen auswirkte. Dabei wird schonungslos offenbart, mit welchen Methoden die Nationalsozialisten aus einer jungen Frau mit Arbeit und Wohnung eine obdachlose, arbeitslose und entrechtete „Hure“ machten. Ganz klar wird, dass von „Freiwilligkeit“ bei der Meldung für ein Wehrmachtsbordell keine Rede sein konnte.

Februar 2020

Sie haben etwa 15% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 85% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10.00€)
Druckausgabe kaufen (10.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe August 2020

In der Augustausgabe beleuchtet Masha Gessen die clanartigen Strukturen von Trumps Mafia-Staat. Michael Tomasky sieht den designierten Präsidentschaftskandidaten Joe Biden auf dem Weg nach links – und erkennt bei dem US-Demokraten gar rooseveltsche Ambitionen. Wieslaw Jurczenko analysiert die Ursachen des Wirecard-Desasters und damit das Totalversagen der deutschen Finanzaufsicht. Raul Zelik fordert, die Eigentumsverhältnisse wieder in den Blick zu nehmen, um so den Sozialismusbegriff wiederzubeleben. Und Klaus Vieweg befreit Hegel, der vor knapp 250 Jahren geboren wurde, vom Totalitarismusverdacht.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema