Ausgabe Februar 2020

Prostitution als NS-Kriegsmittel

Über Prostitution zu schreiben, bedeutet, sich in ein gesellschaftliches Minenfeld zu begeben. Und über Prostitution in Wehrmachtsbordellen zu schreiben, ist gleich doppelt schwierig. Denn hier geht es nicht nur um die Frage, was Prostitution ihrem Wesen nach ist, sondern auch darum, inwiefern Prostitution als Kriegsmittel und Teil der Besatzungspolitik Nazi-Deutschlands gewertet werden muss.

In ihrem Buch „‚Gerne will ich wieder ins Bordell gehen…‘. Maria K.s ‚freiwillige‘ Meldung für ein Wehrmachtsbordell“ nähert Anne S. Respondek sich diesen Themen über die Mikroebene, in Form einer sozialgeschichtlichen, biographischen Studie. Auf Grundlage einer Akte aus dem Staatsarchiv Poznan´ sowie anderer historischer Quellen rekonstruiert Respondek die Geschichte der Maria K., einer jungen Polin, die von den deutschen Besatzern zunächst in ein Wehrmachtsbordell gezwungen und später nach Auschwitz deportiert wird. Anhand eines konkreten Einzelfalls wird so beleuchtet, wie „das System Wehrmachtsbordell“ funktionierte und wie es sich auf die Lebenswelt der betroffenen Frauen auswirkte. Dabei wird schonungslos offenbart, mit welchen Methoden die Nationalsozialisten aus einer jungen Frau mit Arbeit und Wohnung eine obdachlose, arbeitslose und entrechtete „Hure“ machten. Ganz klar wird, dass von „Freiwilligkeit“ bei der Meldung für ein Wehrmachtsbordell keine Rede sein konnte.

Februar 2020

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