Ausgabe Januar 2022

Ein Jahr Brexit: Irland vor der Wiedervereinigung?

Loyalist protestiert gegen das Nordirland-Protokoll 3.7.2021 (IMAGO / NurPhoto)

Bild: Loyalist protestiert gegen das Nordirland-Protokoll 3.7.2021 (IMAGO / NurPhoto)

Get Brexit Done“ – mit diesem Slogan gewann Boris Johnson die britischen Unterhauswahlen 2019. Nun ist der von ihm ausgehandelte Brexit-Vertrag seit einem Jahr vollzogen, doch es gibt einen Landesteil, in dem der EU-Austritt noch immer die Tagespolitik bestimmt: Nordirland.

Warum aber ist das so? Warum erweist sich Nordirland als ein hartnäckiger Stolperstein auf dem Weg, die Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach Jahren der Brexit-Konflikte auf ein halbwegs normales Niveau zurückzuführen? Um eine Antwort darauf zu geben, ist ein Blick auf die unterschiedlichen Motive der Akteure in Belfast und London nötig – aber auch ein Blick über den Atlantik in die USA, der Garantiemacht für das Karfreitagsabkommen, das 1998 den nordirischen Bürgerkrieg beendete. Der fortgeführte Brexit-Konflikt spielt sich zudem vor dem Hintergrund der nahenden Regionalwahlen in Nordirland im Frühjahr ab, die erstmals die irisch-republikanische Sinn Féin zur stärksten Partei küren und damit die hundertjährige Vormachtstellung protestantischer, pro-britischer Parteien beenden könnte.[1] All das macht die Lage in Nordirland derzeit ziemlich instabil und angespannt.

Dabei sieht an der Oberfläche alles nach einem recht überschaubaren Dissens aus: Die britische Regierung ist unzufrieden mit der Umsetzung des sogenannten Nordirland-Protokolls.

Januar 2022

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.

»10-Millionen-Schweiz«: Mauern gegen die Polykrise

von Cédric Wermuth

Am 14. Juni stimmt die Schweiz per Referendum über eine Initiative ab, die europaweit Schule machen könnte. Unter dem Titel »Keine 10-Millionen-Schweiz« verlangt die rechtsnationalistische Schweizerische Volkspartei die Einführung eines Bevölkerungsdeckels in der Verfassung.