Ausgabe Juli 2022

Ein radikaler Freiheitsgedanke

Verlag Klett-Cotta

Bild: Verlag Klett-Cotta

Die Postmoderne hat derzeit einen schlechten Leumund. Sie geistert durch gegenwärtige Debatten vor allem als Synonym für eine Geisteshaltung, die vernünftiges Argumentieren angeblich ebenso ablehnt wie den Gedanken einer objektiv erkennbaren Welt. Mit der Postmoderne, so heißt es bei vielen Kritikerinnen und Kritikern, sei Philosophie zum selbstbezüglichen Geschwurbel verkommen, das nur dazu diene, immer neuen Minderheiten den Raum für immer absurdere identitätspolitische Forderungen zu geben – um den Preis der Zerstörung der Freiheit von Wissenschaft und Denken. So formuliert es etwa die Journalistin Caroline Fourest in ihrem erfolgreichen Buch „Generation Beleidigt“.[1] Darin wirft sie „postmodernen Denkern“ wie Michel Foucault vor, mit ihrer vernunftkritischen Philosophie und ihrer politischen Orientierung auf den subversiven Charakter von Minderheiten jene intellektuelle Tradition eröffnet zu haben, die zu den „Verirrungen“ der heutigen Identitätspolitik führe. In der gehe es, so Fourest, nur noch darum, die eigene ethnische, sexuelle oder sonstwie definierte Identität in den Mittelpunkt des politischen Handelns zu stellen und Menschen mit der vermeintlich falschen Identität das Recht zum Mitreden abzusprechen.

Eine ähnliche Auffassung vertreten Helen Pluckrose und James Lindsay in ihrem jüngst auf Deutsch erschienenen Buch „Zynische Theorien“.

Juli 2022

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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