Ausgabe November 2023

Der lange Weg durch die Wüste

Regina Scheer, Bittere Brunnen. Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution, Penguin Random House Verlagsgruppe

Bild: Regina Scheer, Bittere Brunnen. Hertha Gordon-Walcher und der Traum von der Revolution, Penguin Random House Verlagsgruppe

Die Berliner Theater- und Kulturwissenschaftlerin Regina Scheer hat mit „Bittere Brunnen“ ein bemerkenswertes, von der Kritik zu Recht gefeiertes Buch vorgelegt. Es ist die Biografie von Hertha Gordon-Walcher, einer weithin unbeachtet gebliebenen, aber eminent wichtigen Kommunistin, deren sozialer, aber auch individueller Emanzipationskampf eng mit dem Jahrhundert der Katastrophen verwoben ist. Bereits die Skizzierung wichtiger Etappen ihrer Biografie veranschaulicht den starken Willen Gordons, aus tradierten Strukturen auszubrechen, um ihren Traum von Emanzipation zu verwirklichen: Sozialisiert in einer proletarischen jüdischen Großfamilie, deren hart arbeitende Eltern fünf Mädchen ernähren mussten, schien Hertha Gordons Weg vorgezeichnet: vier Jahre Volksschule, Hilfsarbeit in einem Hutgeschäft, Heirat, dann Küche, Kinder und Synagoge. Doch gegen den Willen ihrer warmherzigen Eltern setzte die 1894 im damaligen Königsberg geborene Hertha durch, ab 1912 auf einer jüdischen Mädchenschule in London, die von Wohltätigkeitsvereinen finanziert wurde, Schreibmaschine und Stenografie zu erlernen. In London wurde Hertha Gordon politisiert. Interessiert verfolgte sie den auch in der britisch-jüdischen Community umstrittenen Kampf der Suffragetten für das Frauenwahlrecht.

Von 1914 bis 1917 engagierte sich Gordon in der linksradikalen Antikriegsopposition.

»Blätter«-Ausgabe 11/2023

Sie haben etwa 16% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 84% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema