Ausgabe November 2023

Klinikreform: Die Kranken zahlen die Zeche

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach besucht ein Krankenhaus in in Hamburg-Hohenfelde, 30.6.2023 (IMAGO / Chris Emil Janßen)

Bild: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach besucht ein Krankenhaus in in Hamburg-Hohenfelde, 30.6.2023 (IMAGO / Chris Emil Janßen)

Der Ruf wird immer dringlicher und lauter. Beim bundesweiten Protesttag Ende September forderten Beschäftigte in Kliniken und Pflegeeinrichtungen sowie Vertreter:innen von Gewerkschaften und die Deutsche Krankenhausgesellschaft Finanzmittel vom Bund, um das absehbare „kalte Kliniksterben“ zu verhindern. „Kalt“, weil aufgrund von explodierenden Kosten immer mehr Kliniken, insbesondere in öffentlicher und gemeinnütziger Trägerschaft, in Schieflage geraten und insolvenzbedroht sind. Hohe Energiekosten, nicht refinanzierte Personalaufwendungen und die Nachwirkungen von Corona zwingen viele Einrichtungen in die Knie. Das ohnehin bedrohliche Szenario, nach dem 18 Prozent der Kliniken 2023 in den roten Bereich rutschen, könnte sich noch einmal verdüstern. Seit 2022 haben 26 Träger mit insgesamt 34 Häusern Insolvenz angemeldet, weitere könnten folgen.[1] Das jedoch wäre fatal, so in seltener Einmütigkeit Verbände, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, weil die Krankenhäuser dann gar keine Gelegenheit mehr hätten, die Krankenhausreform umzusetzen.

Diese Reform, die Gesundheitsminister Karl Lauterbach im Dezember 2022 so vollmundig als „Revolution“ ausgerufen hatte, ist in den vergangenen Monaten irgendwie auf ein totes Gleis geraten.

»Blätter«-Ausgabe 11/2023

Sie haben etwa 8% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 92% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (11.00€)
Druckausgabe kaufen (11.00€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2026

In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Deutschland: Planlos in den Hitzesommer

von Nick Reimer

Nur knapp schrammte Deutschland Anfang Juli an einem neuen Hitzerekord vorbei. Mit über 35 Grad in weiten Teilen des Landes war es in der ersten Hitzewelle des Jahres flächendeckend viel zu warm. Statt aber den Klimaschutz endlich ernst zu nehmen, will die schwarz-rote Bundesregierung neue fossile Gaskraftwerke mit 20 000 Megawatt Leistung bauen.

Trump zum Zweiten: Gesundheitspolitik als Kampffeld

von Andreas Wulf

Die ersten Monate der zweiten Trump-Präsidentschaft haben weltweit zu massiven „Disruptionen“ geführt – nicht nur in der Außen-, Entwicklungs-, Migrations-, und Wirtschaftspolitik, sondern auch im Feld der Gesundheitspolitik. Dies hat sowohl Auswirkungen in den USA selbst als auch in den multilateralen Organisationen, denen das Land angehört.