In El Salvador zeichnet sich nach zehn Jahren heftiger Kämpfe eine politische Lösung zur Beendigung des Krieges ab, der seit 1981 über 70 000 Menschenleben forderte. Weitere 7000 Personen gelten als "verschwunden" und mehr als 1 Million Menschen - von 5,5 Millionen Einwohnern - mußten ihre Herkunftsorte aufgrund massiver Armeeattacken verlassen. Die USA investierten von 1980 bis 1990 offiziell 4,2 Mrd. Dollar an Wirtschafts- und Militärhilfe, um den Sturz der befreundeten Regimes zu verhindern und die Aufständischen militärisch zu schlagen. Mittlerweile hat sich jedoch sowohl bei der Befreiungsbewegung "Farabundo Marti" (FMLN), als auch bei den USA und der ultrarechten Regierung El Salvadors die Einsicht durchgesetzt, daß keine Seite die jeweils andere militärisch besiegen kann. Um dem Blutvergießen ein Ende zu bereiten und der weiteren Zerstörung des einst am weitesten entwickelten Landes in Mittelamerika Einhalt zu gebieten, ist ein von beiden Seiten akzeptiertes, umfassendes politisches Abkommen erforderlich. Nach einem Jahr harter Verhandlungen einigten sich am 27. April Regierung und Guerilla in Mexico-City auf Reformen, die den Weg für Waffenstillstandsgespräche öffnen.
In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.