Ausgabe Juni 1991

Asyl in der Zitadelle

Zum deutschen Umgang mit einem Menschenrecht

Nach 41 Jahren ist das Grundrecht auf Asyl wieder in der Diskussion, da - die Lasten, die durch die Aufnahme verursacht werden, nicht mehr zu tragen seien, - die geringe Anerkennungsquote das Recht in Mißkredit bringe, - dem Staat die Steuerungsmöglichkeiten für Einwanderung faktisch entzogen seien (Asyl als Zauberwort), - diese negativen Entwicklungen sich verstärken würden vor dem Hintergrund der Schaffung des europäischen Binnenmarktes und - diese Entwicklung von organisierten Schleppern zu Lasten der Gemeinschaft ausgenutzt werde, - die Verfassungsmütter und -väter die aktuelle Entwicklung nicht vorhergesehen hätten, ihr Bekenntnis zur Aufnahme politisch Verfolgter deshalb eingeschränkt werden müsse.

Parlamentarischer Rat

Die Mitglieder des Parlamentarischen Rates hatten bei ihrer Diskussion - entgegen vieler Behauptungen - große Flüchtlingsgruppen im Auge, als sie den Artikel 16 II 2 GG formulierten. Sie haben nicht über eine zahlenmäßige Beschränkung des Grundrechts diskutiert, was zeigt, daß sie das Asylgrundrecht nicht als Ausnahmefall sahen. Ebenso war die weltweite Flüchtlingsproblematik in ihrer Sicht. Es mußten nicht nur Deutsche wenige Jahre zuvor weltweit fliehen, seit dem Ersten Weltkrieg hatte sich die Weltflüchtlingsproblematik ständig verschärft 2).

Juni 1991

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Weitere Artikel zum Thema

Der Genozid-Vorwurf gegen Israel und die deutsche Verantwortung

von Albrecht von Lucke

Von den zahlreichen Kriegs- und Krisenbrennpunkten der Gegenwart, von der Ukraine über Iran bis zum Sudan, erregt wohl keiner so sehr die Gemüter wie der Israel-Palästina-Konflikt. Und fast immer taucht dabei der Vorwurf des »Genozids« gegenüber Israel auf.