Ausgabe Oktober 1991

Vom Feudalkommunismus zum Frühkapitalismus.

Mittelasiatische Varianten

Der Kommunismus verlagert sich in den Süden" 1) - so faßte die populäre "Komsomolskaja Prawda" die Reaktion mittelasiatischer Sowjetrepubhken auf die Folgen des Augustputsches zusammen. Das Verdikt scheint nicht unbegründet zu sein, denn alle fünf Republiken - Usbekistan, Kasachstan, Kirgisien, Turkmenistan und Tadschikistan, Gesamtbevölkerung ca. 50 Millionen, in 10 bis 20 Jahren aber möglicherweise bereits so groß wie die übrige Sowjetunion -, distanzierten sich mehr oder weniger eindeutig von den Bestrafungsaktionen Jelzins gegen die Kommunistische Partei. Ihre Absetzungsbewegung, von dem Radikalreformer Anatolij Sobtschak als Kurs auf die Schaffung von Schutzparks für die Nomenklatura qualifiziert, manifestierte sich in entsprechenden Schritten:

- Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan erklärten die formelle Trennung ihrer Parteiorganisationen von der de facto aufgelösten KPdSU. Der Präsident und Erster Sekretär des ZK der KP Usbekistans, Islam Karimow, wetterte: "Ich weise die Entscheidung Gorbatschows kategorisch zurück." Es steht ihm zwar frei, die Vollmachten des Generalsekretärs niederzulegen, doch über die Auflösung der KPdSU habe er nicht zu befinden 2).

Oktober 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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