Ausgabe Dezember 1991

Bewegung im Nahost-Konflikt.

Stimmungswandel unter Israelis und Palästinensern

Für die meisten Israelis war die Madrider Konferenz zur Eröffnung erster direkter, bilateraler Friedensverhandlungen mit den einzelnen Nachbarstaaten und den Palästinensern eine Art surrealistische Großveranstaltung; ein "bigger than life"-Medienereignis, das tage- und nächtelang seine magische Wirkung auf die Bevölkerung ausstrahlte. Es fehlte das freudige Überraschungsmoment, die Euphorie und Dramatik des Sadat-Besuchs in Jerusalem (im November 1977). Zudem waren diesmal sowohl die Regierung als auch Teile der Bevölkerung Israels mehr gezwungen als freiwillig mitmachend in die neuen Bahnen bugsiert worden. Washington brauchte dringend politische Erfolge - nach einem Sieg am Golf der zu den vorhandenen Problemen zusätzlich neue erzeugt hat; und vor der Eröffnung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten.

Zwar war die Bush-Baker-Initiative ursprünglich ein "Friedensplan" der Schamir-Regierung aus den Jahren 1989 und 1990.

Aber am Ende der vielen Baker-Besuche in der Region zwischen Frühjahr und Herbst 1991 war nur noch das Skelett des ursprünglichen Schamir-Konzepts übriggeblieben. Also wollte der israelische Ministerpräsident gar nicht mehr recht in das kalte Wasser springen und mußte schließlich von Baker (mit dem sowjetischen Außenminister Boris Pankin als Sekundant) resolut dazu angehalten werden.

Dezember 1991

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema