Ausgabe Dezember 1991

Neue Deutsche Außenpolitik.

Selbstversuche zwischen Zagreb und Brüssel

"Es spricht vieles dafür, daß mit dem Fall der Diktatur in der DDR und dem Beitritt der fünf neuen Länder zur Bundesrepublik die Zeit deutscher Abweichung vom Zivilisierungsprozeß der westlichen Demokratien zu Ende gegangen ist." Ulrich Hausmann und Udo Knapp 1)

"Die deutsche Entwicklung seit 1945 ist eine entschlossene Westwendung. Zum ersten Mal blickt Deutschland auch seelisch und geistig rückhaltlos nach Westeuropa. Die Ideen der englischen Revolution des 17. Jahrhunderts, dann die amerikanische Revolution des 18. Jahrhunderts und schließlich die Französische Revolution von 1789 haben geistig nun endlich Besitz von Deutschland ergriffen." - "Die Ideen? Geistig Besitz von Deutschland ergriffen? Das glaube ich keine Minute!" Dialog zwischen Wolf Jobst Siedler und Arnulf Baring 2)

I

"Welche Ansicht kommt der Wirklichkeit am nächsten? Was für eine Frage - beide natürlich! " - In dieses Bonmot packte ein Bonner Auslandskorrespondent seine Beobachtung, daß Deutschland kein sehr logisches Land sei und es die Deutschen besser als andere verstünden, zwei Richtungen gleichzeitig zu folgen - und dabei das Kunststück zu vollbringen, derlei Spaltungen semantisch zu harmonisieren 3).

Ob solchen Vermögens stehen die deutsche Außenpolitik und der "Schlangenmensch" Genscher 4) seit langem immer mal wieder unter Verdacht.

Dezember 1991

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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