Ausgabe Juni 1992

Der Preis der Gleichheit

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Perspektiven Deutschlands in den 90er Jahren

Werden die Deutschen zu Gefangenen in der Einheitsfalle? Zu "Verlierern" beiderseits: die einen, weil es ihnen mit der "Angleichung der Lebensverhältnisse" nicht schnell genug geht; die anderen, weil ihnen die Einheit zu teuer kommt? - In dieser Spannung steckt der Kern der Bonner Regierungskrise. Aber im Sog der "Gemeinsamkeiten", einer Großen Koalition oder kleinen Kooperation, scheint es vornehmlich um Finanzierungsfragen und Sparprogramme zu gehen. Übersehen wird weithin die strukturelle, die politische Dimension der innerdeutschen Problematik. Gefordert ist das Nachdenken, wie denn die so unvorbereitet gewonnene Einheit "gestaltet" werden soll was überhaupt Einheit und Gleichheit heißen können in einer von krassen Unterschieden, Ungleichzeitigkeiten, regionalen Traditionen und Mentalitäten geprägten neudeutschen Gesellschaft. Das entschiedenste Plädoyer für eine Neubestimmung der Eckwerte des Bundesstaates hat der sächsische Ministerpräsident Kurt H. Biedenkopf vorgetragen (vgl. die Dokumentation in Heft 5/1992).

Juni 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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