Ausgabe Juli 2026

Modellprojekt Sachsen-Anhalt

Die AfD vor der Macht und der Spielraum der Demokraten

Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat für die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, 4.6.2026 (IMAGO / Chris Emil Janßen)

Bild: Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat für die bevorstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, 4.6.2026 (IMAGO / Chris Emil Janßen)

Kurz vor der Wahl dominiert in Sachsen-Anhalt die AfD die Marktplätze und führt in den Umfragen. Mit einem Sieg würde in Magdeburg eine Regierung unter Führung der Rechtsradikalen möglich, was die Demokratie über das Bundesland hinaus schädigen würde. Noch ist es möglich, dieses Szenario zu verhindern. Ministerpräsident Sven Schulze kommt dabei schon jetzt eine Schlüsselrolle zu.

Selbstbewusst rief der Spitzenkandidat der AfD, Ulrich Siegmund, kürzlich das Wahlziel »45 Prozent plus X« aus. Die Kampagne seiner Partei steht unter dem Motto »Alles ist möglich«. Der Slogan soll in der eigenen Anhängerschaft ein Gefühl politischer Selbstwirksamkeit vermitteln. Für die politische Kultur des Landes ist er eine Drohung, denn die AfD hat dort ein Wahlprogramm1 vorgelegt, das in offen zur Schau gestellter Radikalität seinesgleichen sucht: So spricht sie von »Remigration« und will in großem Maßstab abschieben – dazu sollen bilaterale Abkommen des Landes mit Drittstaaten geschlossen werden. Ausreisepflichtige Personen will die Partei auch in gewöhnlichen Gefängnissen inhaftieren. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen plant sie die Einrichtung einer »Taskforce«, die der US-amerikanischen ICE ähneln könnte. Viele dieser Ankündigungen sind nicht nur menschenfeindlich, sondern auch abenteuerlich und widersprechen geltendem Recht.2 Freilich würde das eine AfD-Alleinregierung nicht von entsprechenden Versuchen abhalten.

»Blätter«-Ausgabe 7/2026

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Aktuelle Ausgabe Juli 2026

In der Juli-Ausgabe zeigt Jan Niklas Reiche auf, was die demokratischen Parteien bis zur Wahl in Sachsen-Anhalt noch tun müssen, um eine Machtübernahme der AfD zu verhindern. Thomas Assheuer seziert die essayistischen Elaborate von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und legt offen, worum es ihm im Kern geht: um deutsche Kunst im Dienst eines dezidiert antiliberalen Christentums. Klaus Lederer beschreibt, wie eine autoritäre Internationale gegen queere Menschen und die von ihnen erkämpften Rechte mobil macht. Jan Schlemermeyer plädiert für eine antifaschistische Sicherheitspolitik, die Demokratie als Kernanliegen begreift. Winfried Thaa erinnert an das Gründungsereignis der neuzeitlichen Demokratie – die Amerikanische Revolution und Verfassungsgebung vor 250 Jahren –, die heute durch Donald Trump ausgerechnet am Ort ihrer Entstehung zerstört zu werden droht. Stefan Messingschlager erläutert, was die bilaterale Stabilisierung zwischen Trump und Xi Jinping für Europa bedeutet. Paul Starzmann ergründet, wie weit Wladimir Putins Einfluss in Afrika tatsächlich reicht. Und Friederike Otto erklärt mit Jürgen Habermas, warum die Demokratie zur Bekämpfung der Klimakrise unabdingbar ist. 

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