Ausgabe November 1992

Kirche und Staat in einer säkularisierten Gesellschaft

Das Thema "Religion und Politik" wird heute lebhaft und kontrovers diskutiert. Einerseits heißt es: Der Einfluß der Kirchen - und an sie denkt man bei uns zuerst, wenn von "Religion" die Rede ist - schwindet. Die Zahl der Gottesdienstbesucher ging in den letzten Jahren zurück, und die Kirchenaustritte nahmen drastisch zu. Der Abgang "realsozialistischer" Regimes, zu dem christliche Gruppen mithalfen, führte keineswegs zu einer massenhaften Rückkehr zu den Kirchen. Die Presse bringt sensationelle Statistiken, die auf die Entfremdung vieler junger Menschen auch in Westdeutschland von den traditionellen Konfessionen hinweisen - bei gleichzeitig wachsendem Sekteneinfluß. Die anfängliche große Sympathie der Medien für die evangelischen Kirchen in der Ex-DDR als Geburtshelfer der "Revolution" wurde durch Entlarvungskampagnen abgelöst, in denen man leitende Kirchenvertreter der Kumpanei mit den damaligen Machthabern bezichtigte. Überhaupt wurde die Rolle der Kirche als Anwältin sittlicher Werte in Frage gestellt, insbesondere der Anspruch der römisch-katholischen Kirche auf maßgebliche Auslegung des "Naturrechts" (z.B. im Streit um den 218), so daß hohe kirchliche Würdenträger bereits die Anzeichen eines beginnenden Kulturkampfes zu erkennen glaubten.

Andererseits stellt man Signale für gegenläufige Tendenzen fest.

November 1992

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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