Ausgabe Januar 1993

Absturz West statt Aufschwung Ost?

Zur Dimension der kommenden Krise

Die von den Spitzenunternehmen der deutschen Wirtschaft herausgegebenen Verlustlisten werden fast täglich länger: Belegschaftsabbau ist Trumpf. Die Automobilindustrie, die Großchemie, die Elektroindustrie - kaum ein großes Unternehmen, das nicht eine gerade ablaufende oder für die nahe Zukunft geplante drastische Reduzierung des Personals meldet: Daimler 20000, Siemens 30000, Hoechst 12000, Lufthansa 7500... Die Liste ist beliebig verlängerbar. Die Zahl der Erwerbstätigen soll der jüngsten Prognose des Sachverständigenrats zufolge im kommenden Jahr erstmals seit Mitte der 80er Jahre auch im Westen wieder sinken, die Arbeitslosenzahlen nehmen zu und werden 1993 in den alten Bundesländern die Grenze von zwei Millionen wieder deutlich überschreiten.

Während die Wirtschaft im Osten nur dank massiver Westtransfers nicht noch mehr absackt und der schon seit zwei Jahren angekündigte "Aufschwung Ost" weiter ausbleibt, macht sich nun auch im Westen eine düstere Stimmung breit. Der vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung auf der Grundlage von Unternehmensbefragungen monatlich ermittelte Geschäftsklima-Index stürzte in den letzten Monaten regelrecht ab - im Oktober 1992 war der Vorjahresstand um mehr als 15 Prozentpunkte unterschritten. Produktion und Auftragseingänge in der Industrie gehen von Monat zu Monat zurück, die Zahl der Unternehmenspleiten steigt an.

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