Ausgabe April 1993

Die Illusion des Umweltmarktes Osteuropa

Der Umweltschutz hat eine seltsame Karriere. Kam der Begriff im Duden von 1967 noch nicht vor, so wird Umweltschutz heute von vielen Unternehmern zum Hoffnungsträger der von Struktur- und Konjunkturkrisen geschüttelten Exportwirtschaft hochstilisiert. Der folgende Beitrag untersucht, inwieweit die (west-)deutsche Industrie hier nicht wieder eine neue Wachstums-Illusion aufgebaut hat und welches die Folgen des Kampfes um Marktanteile für den Umbau der Wirtschaftsstrukturen im Osten sein können. (Hans Diefenbacher) Daß die Ökowelle unsere Wegwerfgesellschaft erfaßt hat, daß Bioartikel Hochkonjunktur haben, kaum eine Werbekampagne ohne einen Hinweis auf die Umweltverträglichkeit des Produktes auskommt all das ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Unternehmer versuchen, weltweit neue "grüne" Märkte zu erschließen. Zu diesem Zweck wird nunmehr auch von dieser Seite verkündet, daß die Reparatur von Umweltzerstörungen ungleich teurer sei als ihre Vermeidung durch die Entwicklung und den Einsatz neuer, umweltschonender Techniken und umweltverträglicher Produktionsprozesse. Einige Wirtschaftsprognosen sehen hier sogar den "Megamarkt" des 21. Jahrhunderts.

So schätzt der Unternehmensberater H. Kaiser den Markt für Umweltschutzgüter und -dienstleistungen als überdurchschnittlich dynamisch ein.

April 1993

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2026

In der Mai-Ausgabe zeigen Alexander Cooley und Daniel Nexon, wie die Trump-Regierung ihre geopolitische Macht systematisch in privaten Gewinn ummünzt – zum Schaden für Rechtsstaat und Demokratie. August Pradetto plädiert für eine entschiedene – auch rhetorische – Verteidigung des Völkerrechts gegenüber der wachsenden Gruppe jener Staaten, die auf die Macht des Stärkeren setzen. Klaus Naumann beleuchtet die Debatte um die Wehrpflicht und fragt, wie sich der Frieden in Europa künftig verteidigen lässt. In einer Welt, in der Heimatverlust zu einer universellen Erfahrung geworden ist, sucht Ece Temelkuran nach neuen Formen von Gemeinsamkeit und Handlungsmacht. Antje Schrupp zeigt, wie rechte Frauen mit traditionalistischen Frauenbildern den autoritären Aufstieg befördern. Sonja Peteranderl warnt vor den Risiken von Zyklus-Apps in Zeiten des Rechtsrucks. Inken Behrmann beleuchtet den auch hierzulande längst entbrannten Kampf um die immer knapper werdende Ressource Wasser. Markus Wissen sieht im radikalen Reformismus eine Strategie gegen den Krisenkapitalismus. Und Karin König erinnert an den Film »Die Mörder sind unter uns« als Schlüsselwerk der deutschen Nachkriegsgeschichte und die Biografie seines Hauptdarstellers Ernst Wilhelm Borchert. 

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Die Kunst der Bricolage

von Frank Adloff

Der Ausweg aus der dramatischen Doppelkrise aus fortschreitender Klimaerwärmung und schwindender Biodiversität muss ein schrittweises Handeln sein, das ökologische Modernisierung und radikalen Systemwandel gleichzeitig verfolgt.

Hochseeschutz: Hoffnung für das Lebenselixier des Planeten?

von Julia Lauter

Weit draußen vor unseren Küsten liegt eine weitgehend ignorierte Weltregion, an der das Überleben der Menschheit hängt: die Hohe See. Sie bedeckt zwei Drittel der Erdoberfläche, in ihr leben rund 80 Prozent aller Tierarten, sie reguliert das globale Klima und bindet ein Drittel des vom Menschen verursachten CO2.