Ausgabe April 1995

Jugoslawien wieder zusammensetzen!

Im Grunde heißt die einzige Lösung für Jugoslawien Jugoslawien. Das ist sicherlich nicht jedermanns Auffassung angesichts der Tatsache, daß der Krieg in Bosnien auf das Ende des dritten Jahres zusteuert, der Waffenstillstand in Kroatien in Frage gestellt wird und die Situation auf dem Balkan insgesamt instabil bleibt. Manche sind allerdings nie von der Überzeugung abgegangen, daß es ein schrecklicher und vermeidbarer Fehler der sechs Republiken des früheren Bundesstaates Jugoslawien war, sämtliche Bindungen zueinander zu lösen, und immer mehr Menschen sehen in der Wiederherstellung der wichtigsten Verbindungen, und zwar nicht nur für Handel und Kommunikation, sondern auch auf juristischem und politischem Gebiet, die einzige Grundlage für einen dauerhaften Frieden. Die von Amerika vermittelte Übereinkunft zwischen der weit gehend muslimischen bosnischen Regierung und den Führern der bosnischen Kroaten ist der Dreh- und Angelpunkt für eine Umkehr und die Schaffung einer neuen konföderativen Basis zur Beendigung des Krieges. Das Abkommen ist noch nicht fest verankert und institutionalisiert, da aufgrund fortgesetzter Feindseligkeiten mit den bosnischen Serben Grenzen und Zuständigkeitsbereiche nach wie vor ungeklärt sind.

Doch in der Verhandlung ging es auch um mögliche besondere, verfassungsmäßige Verbindungen mit dem kroatischen Staat.

April 1995

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Der Lieferketten-Backlash – und was trotzdem bleibt

von Armin Paasch, Miriam Saage-Maaß

Nach langem Ringen hat das Europäische Parlament am 16. Dezember 2025 dem sogenannten Omnibus-I-Paket zugestimmt, das zentrale Regelwerke des European Green Deal »vereinfachen« soll. Tatsächlich hat die Europäische Volkspartei damit allerdings nicht vereinfacht, sondern vielmehr die »Brechstange« (Manfred Weber, CSU) an die EU-Lieferkettenrichtlinie angesetzt.